Onlinehandel lässt Verkehr weiter wachsen

Immer mehr Pakete werden nach Hause gebracht

2016 wurden deutschlandweit 3,16 Milliarden Päckchen und Pakete ausgeliefert. Nach Schätzungen des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK) wird sich dieses Volumen bis 2021 auf 4,15 Milliarden erhöhen. Ein sattes Plus von über 30 Prozent. Was den Lieferverkehr kräftig erhöht, ist der nach wie vor boomende Onlinehandel. Ob Möbel, Haushaltswaren, Bücher, die warme Mahlzeit oder Lebensmittel, alles wird mittlerweile im Internet bestellt. In einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) legt der Unternehmensberater dar, dass 20 bis 30 Prozent des Stadtverkehrs vom Güterverkehr getragen wird. Dieser Güterverkehr verursacht etwa 80 Prozent der innerstädtischen Staus in Stoßzeiten. Die US-Versender Amazon, aber auch der DHL-Ableger Allyouneed oder die DPD-Beteiligung Tiramizoo verschärfen die Situation noch, indem sie Belieferungen am Bestelltag versprechen.

Laut dem Fraunhofer-Institut führen diese Zusagen zu höheren Tourenzahlen bei geringerer Auslastung der einzelnen Touren und damit zu einer weiter wachsenden Verkehrsdichte. Die Umfrage von PwC zeigte auch, dass 59 Prozent der Internetkunden eine schnelle Auslieferung haben wollen. „Die Liefergeschwindigkeit ist von hoher Bedeutung“, so der Distributions-Chef vom Shopping Kanal QVC. Aber auch MediaMarkt macht es möglich. Für nur 14,95 Euro Extragebühr stellt die Kette innerhalb von 3 Stunden nach dem Kauf die Ware zu.

Die Logistiker prüfen auch, inwieweit eine Nachtbelieferung durchzuführen wäre, um den Verkehr in den Innenstädten am Tag einzudämmen. Von den Ideen, die PwC in der Bevölkerung bezüglich der Anlieferung abfragte, erhielt die Nachtanlieferung mit 75 Prozent den größten Zuspruch der Kunden. Auf dem deutschen Logistikkongress in Berlin glaubten gerade einmal 10 Prozent der Teilnehmer, dass in Zukunft eine Anlieferung über Roboter und Drohnen funktionieren könnte. In der PwC-Studie wurden auch Passanten über die Zustellung in den Kofferraum des Pkw gefragt. Nur 16 Prozent fanden diese Idee gut und 68 Prozent lehnten die Idee strikt ab, wohl aus Furcht vor Diebstahl.

Am einfachsten wäre es, wenn sich die Paketdienste auf einen gemeinsamen Transporteur für die Innenstadt einigen könnten. Doppelt- oder Dreifachanfahrten an der Haustüre würden hierdurch überflüssig. Doch Versuche einer Bündelung erwiesen sich meist als Flopp.

Die Transportbranche erwartet, dass wir über die Nachtlogistik noch einige Debatten in Deutschland haben werden. Ein Test in Köln hatte allerdings gezeigt, dass nirgendwo in Köln die gesetzlichen Lärmgrenzen von den Lieferanten überschritten wurden oder Kunden sich an der Zunahme des nächtlichen Verteilverkehrs störten.

Von | 2018-02-02T14:08:28+00:00 2. Februar 2018|Kategorien: Kundenmagazin, Märkte, Produkte, Unternehmen|