SUVs legen als Wunschauto zu – der kleine Stadtflitzer stürzt ab

Aral-Studie: Aral untersucht im Zwei-Jahres-Rhythmus mit der Studie „Trends beim Autokauf“ seit 2003 die Entwicklungen in diesem Markt für Deutschland. Auch die jetzt erschienene 8. Auflage richtet den Schwerpunkt auf die private Pkw Nutzung und auf das Kaufinteresse an einem Neu-, Jahres- oder Gebrauchtwagen in den kommenden 18 Monaten.

Der Deutschen liebstes Kind, das Automobil, hat nach dieser Studie nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Ganz im Gegenteil: Setzen die Autofahrer ihre geäußerten Kaufabsichten in den kommenden 18 Monaten in die Tat um, dürfen sich die Autohäuser über eine außerordentlich hohe Kundenfrequenz freuen, so die Studie. Noch nie in der Geschichte dieser Studienreihe war das Interesse an einem neuen Fahrzeug so groß wie in der aktuellen Erhebung. Das insgesamt gestiegene Kaufinteresse wird zudem getragen von einem deutlich gewachsenen Wunsch nach einem fabrikneuen Fahrzeug. Jahres- und Gebrauchtwagen sind hingegen weniger gefragt. Die Konjunktur läuft weiterhin gut, die Arbeitsmarktzahlen sind stabil und die Zinsen weiterhin niedrig. Das alles spiegelt sich, laut Aral, auch im konkreten Kaufinteresse wider, interessanterweise über alle demografischen Unterschiede hinweg. Ob jung oder alt, männlich oder weiblich, der deutsche Autofahrer ist in Kauflaune.

Bei der Frage nach der Marke beim nächsten Autokauf verlor der Dauersieger Volkswagen seinen 1. Platz und rutschte auf Rang 3. Audi belegt Platz 1 und BMW Platz 2. Auf Platz 4 folgt Mercedes. Während die deutschen Nobelmarken wie Audi, BMW und Mercedes offensichtlich den Geschmack der potenziellen Kunden treffen, sieht die Perspektive der anderen Volumenhersteller nicht sonderlich rosig aus. Neben Volkswagen verlieren auch Opel und Ford in der Gunst der Käufer. Die französischen und italienischen Fahrzeuge verlieren ebenfalls an Marktbedeutung, während die Japaner ihre Marktbedeutung halten sollten.

Beim Umweltimage der Hersteller kommt Tesla mit Toyota am besten weg. BMW folgt auf Platz 3, VW auf Platz 4 und Audi auf Platz 5. Mercedes muss sich hier mit dem 6. Platz zufrieden geben.

Auch bei der Zahlungsweise bleibt die Barzahlung, das heißt, der Kauf gegen Rechnung, mit 53 Prozent die erste Wahl. 31 Prozent der Neuwagenkäufer möchten ihr Auto finanzieren, 9 Prozent leasen und 7 Prozent sind noch unentschlossen.

Die Gründe für ein neues Auto liegen im Wesentlichen im Komfort, der Sicherheit und im Design. Zwar bleibt das Preis-/Leistungsverhältnis für potenzielle Autokäufer das wichtigste Entscheidungskriterium, dennoch dominieren die finanziellen Aspekte beim Autokauf weniger stark als in der Vergangenheit. Wie die Studie zeigt, verlieren der Anschaffungspreis und der Verbrauch als wirtschaftliche Kriterien beim Autokauf an Bedeutung. Dass der Autokauf keine rein wirtschaftliche Entscheidung ist, sondern derzeit überdurchschnittlich stark mit einem gewissen Prestige verbunden wird, beweist die Frage nach dem Image. 27 Prozent der Autokäufer wollen darauf achten, dass das Image des Wagens zu ihnen passt. Vor zwei Jahren waren es nur 16 Prozent der Käufer, die auf das Image des Wagens Wert legten.

Auf die Frage, welche Karosserieform wird ihr nächster Wagen voraussichtlich haben, konnte die Limousine den 1. Platz belegen. Im freien Fall befindet sich dagegen der Kleinwagen. 2015 wollten noch 25 Prozent der Autokäufer dem Stadtflitzer den Vorzug geben, jetzt sind es nur noch 6 Prozent. Auch der Kombi verliert, wenn auch gering, an Bedeutung. Zu den herausragenden Gewinnern bei der Karosseriewahl gehört neben der Limousine weiterhin der Geländewagen. Das Interesse an einem SUV hat sich binnen zwei Jahren auf 15 Prozent verdreifacht. Mit ein Grund, warum gerade auf der IAA im September 2017 die größte SUV Neuwagenvielfalt vorgestellt wurde, die es bisher auf einer IAA gab.

Bei der Farbe des nächsten Autos bleibt Schwarz mit 37 Prozent der Käufer der dominierende Autolack. Auf Platz 2 folgt Silber vor Blau und Platz 3 teilen sich Anthrazit, Rot, Weiß und mit einem kleinen Abstand auch Grau.

Bei der gewünschten Ausstattung des nächsten Autos steht die Klimaanlage, gefolgt von ABS, elektrischen Fensterhebern, Radio mit USB-Anschluss und beheizbaren Sitzen ganz oben. Aber auch Tempomat, Navigationssystem, beheizbare Frontscheibe, elektrische Parkhilfe und Bremsassistent sind Ausstattungen, auf die der Kunde immer mehr Wert legt. Selbst die Standheizung bekommt eine immer größere Bedeutung. Diese Zusatzwünsche sind allerdings beim Elektroauto kontraproduktiv, da diese technischen Einrichtungen zu einem hohen Energieverbrauch führen.

Auf die Frage, mit welchem Kraftstoff wird ihr nächster Wagen voraussichtlich betrieben, bleibt der Benziner die beliebteste Antriebsart, wobei seine Beliebtheit gegenüber der letzten Studie von 2015 um 10 Prozentpunkte gestiegen ist. Auf Platz 2 folgt der Diesel, der durch die ganzen Diskussionen der Dieselemissionen und partiellen Fahrverbote beim Kundenansehen eindeutig gelitten hat. Der zweite Gewinner neben dem Benzinaggregat sind Hybridmotoren. Die Autofahrer nehmen diese Technologie inzwischen als praxistauglich und effizient wahr. Von einer vergleichbaren Rolle sind Elektroautos laut Aral Studie noch weit entfernt. Auch die Auto- und Erdgasfahrzeuge haben keine nachhaltige Bedeutung. Autogasfahrzeuge erreichten ihren Zenit bei der Befragung im Jahr 2009, bei der jeder zehnte Autofahrer ein Autogasfahrzeug kaufen wollte. Jetzt sind es nur noch 2 Prozent der Neuwagenkäufer. Der Erdgasanteil liegt noch darunter.

Bei der Fragestellung, welche Antriebsarten könnten für den Umweltschutz in den nächsten 10 Jahren am meisten leisten, kam auf den 1. Platz der Elektromotor, gefolgt vom Wasserstoffmotor und vom Hybrid. Benziner und Diesel kamen hierbei auf die Plätze 4 und 5.

Um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen, favorisieren die meisten Deutschen die Befreiung von der KFZ-Steuer. Auch Kaufprämien, Zuschüsse zu den Stromkosten und eine Abwrackprämie für konventionelle Fahrzeuge stoßen auf Zustimmung.

Auf die Frage, ob der Autokäufer sich grundsätzlich vorstellen kann, ein Elektroauto zu kaufen, bzw. wie viel ein solches Elektroauto kosten darf, wurde Folgendes von den Befragten erklärt: 55 Prozent der Befragten haben ein grundsätzliches Interesse an einem Elektrofahrzeug geäußert. Gegenüber der Vorgängerbefragung von 2015, ist die Akzeptanz nur um 2 Prozent gestiegen. Besonders groß ist der Anteil der Befragten mit ablehnender Haltung in der Gruppe der über 40-jährigen. Dieses Meinungsbild wird allerdings verändert, wenn man den Anschaffungspreis mit ins Spiel bringt. Der Durchschnitt der Befragten erklärte, dass man 28.422 Euro für ein Elektroauto ausgeben müsste. Noch 2013 glaubten die Mehrzahl der Befragten, dass der Durchschnittspreis eines Elektroautos bei 20.319 Euro liegen würde. Das größere Angebot an Elektroautos führte demnach bei der Preisschätzung zu mehr Realitätssinn. Allerdings liegt der durchschnittliche Anschaffungspreis für ein Elektroauto nach wie vor deutlich über dem geschätzten Wert von 28.422 Euro.

Auch die Frage, welche Mindestreichweite und welche Ladedauer bei einem Elektroauto akzeptabel sind, wurde gestellt. Die Reichweiten-Anforderung ist auf 463 Kilometer, das heißt gegenüber der letzten Befragung um 45 Kilometer, gestiegen. 57 Prozent der Befragten halten eine Ladezeit von 30 Minuten oder weniger für akzeptabel. Ein weiteres Drittel hält eine Ladedauer von bis zu einer Stunde für vertretbar und 7 Prozent würden sich sogar länger als eine Stunde gedulden. In der Praxis liegt die Ladedauer an einer Steckdose noch bei mehreren Stunden. Selbst die heutigen Hochleistungsladesäulen von Tesla erfüllen nur ansatzweise die Wünsche der potenziellen Elektrofahrer. Bei 30 Minuten Ladezeit liefert ein Supercharger von Tesla eine Reichweite von bis zu 270 Kilometer.

Auf die Frage, wie hoch der Mehrpreis, den sie bereit wären für eine Elektrovariante ihres Wunschautos zu zahlen, erklärten 41 Prozent der Autofahrer, dass sie einen Mehrpreis von knapp 3.000 € akzeptieren würden.

Beim autonomen Fahren herrscht bei den Autofahrern noch große Skepsis. Nur 20 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich vorstellen könnten, autonom zu fahren. Bei der Ersterhebung zu dieser Fragestellung vor zwei Jahren konnten sich noch 34 Prozent der Autofahrer eine autonome Fahrzukunft vorstellen.

Aus der Auswertung der Befragung kommt Aral bei der Wahl des Wunschautos des Jahres 2017 zu folgendem Ergebnis: Das Wunschauto ist eine schwarze Limousine mit Ottomotor der Marke Audi, mit Klimaanlage, ABS und elektrischen Fensterhebern zum Preis von 29.650 Euro gegen Barzahlung. Zudem ermittelte Aral das sogenannte Trendauto, das heißt, in welchen Bereichen der Befragung gab es im Verhältnis zur letzten Befragung die stärksten Zuwächse. Das Trendauto ist ein Geländewagen/SUV von Audi oder BMW in der Farbe Schwarz mit Hybridantrieb, Radio mit USB, Standheizung, Alarmanlage zum Preis von 36.100 Euro und gegen Barzahlung.

Von | 2017-11-09T11:12:25+00:00 9. November 2017|Kategorien: Märkte|