Die Bundesregierung verlangt weiterhin das Vorhalten von E5. Einen solchen Bestandsschutz für E5 gibt es in keinem anderen Land Europas. So verpasst Deutschland jährlich 3 Millionen Tonnen CO₂-Einsparung

In unserer Winterausgabe der Partnerzeitung im Jahr 2010 berichteten wir auf der Titelseite: „Mehr Bio in Superbenzin – E10 kurz vor der Einführung“. Etwa 90 Prozent der zu dieser Zeit betriebenen Benzin-Pkw konnten E10 tanken. Anfang 2011 meldeten wir in der ersten Ausgabe der ED-Partnerzeitung, dass das Ausrollen von E10 in Deutschland begonnen habe und man die Einführung bis März 2011 abschließen wolle.

In der zweiten Ausgabe 2011 der ED-Partnerzeitung schrieben wir auf der Titelseite „E10 – keiner will es gewesen sein“. Und weiter: „Die Einführung von E10 oder des sogenannten Biosprits erwies sich als Desaster. Im Nachgang wollte niemand an diesem Desaster schuld sein. Der ADAC verwies auf die Mineralölwirtschaft. Die Automobilindustrie hielt sich vornehm zurück und sagte zu diesem Thema im Grunde nichts. Die Politik zeigte auf die Automobil- und Mineralölwirtschaft, die kein gutes Marketing betrieben hätten. Der Bauernverband und die Biokraftstoffproduzenten standen hilflos vor den Verbrauchern und erklärten, dass es bei Biokraftstoffen auf keinen Fall um Tank oder Teller gehe. Schließlich gab die Politik Brüssel die Schuld und erklärte, die Biokraftstoffquoten seien von dort vorgegeben worden und weder das deutsche Umwelt- noch das Wirtschaftsministerium könnten hierfür etwas.“

Wenn man so will, sind die deutschen Regierungen – unabhängig von ihrer Zusammensetzung – 15 Jahre bei dieser Haltung geblieben. Andere Länder in der EU waren deutlich flexibler und schneller. Und dafür gibt es gute Gründe:

In allen anderen europäischen Ländern gibt es diesen Bestandsschutz nicht als gesetzliche Verpflichtung. Dort ist E10 mittlerweile die Hauptsorte, während E5 nur noch an vereinzelten Tankstellen angeboten wird. Die skandinavischen Länder, Benelux und Frankreich gaben den Mineralölgesellschaften die Möglichkeit, E5 zwischen 2011 und 2019 aus dem Markt zu nehmen. Großbritannien, Österreich, Polen, Tschechien, Ungarn und Spanien schufen zwischen 2020 und 2024 die dafür nötigen Regelungen. Nur Deutschland ist weiterhin mit einer Referenzsorte unterwegs. Wenn eine Tankstelle E10 anbietet, muss auch E5 vorgehalten werden – so die Bundesimmissionsschutzverordnung vom 8. Dezember 2010. Ziel der Verordnung war es 2010, E5 verpflichtend zu belassen und E10 lediglich zu erlauben.

Die Frage ist daher: Für wen wird diese Sorte in Deutschland überhaupt noch vorgehalten? Bereits 2010 konnten 90 Prozent des damaligen Kfz-Bestandes mit Benzinmotoren E10 tanken. Damals sollten die verbleibenden zehn Prozent der Altfahrzeugbesitzer geschützt werden. In den vergangenen 15 Jahren hat sich der gesamte Pkw-Bestand in Deutschland vollständig erneuert. Heute können nahezu 100 Prozent aller benzinbetriebenen Pkw E10 tanken. Lediglich einige leistungsstarke Fahrzeuge, sowie Oldtimer mit entsprechenden Kfz-Kennzeichen, sind in der Regel auf andere Kraftstoffe angewiesen, meist mit 98 Oktan – also Super Plus.

Aktuell entfallen knapp 30 Prozent des deutschen Vergaserkraftstoffabsatzes auf E10 und damit mehr als die Hälfte weiterhin auf E5 – obwohl E5 rund sechs Cent teurer ist. Des Deutschen liebstes Kind ist das Auto und dafür muss es der vermeintlich beste Kraftstoff sein – egal ob er dem Motor nützt oder nicht oder ob er das Klima schädigt.

Nach verschiedenen Berechnungen, unter anderem des ADAC, würden die durch Ottomotoren verursachten CO₂-Emissionen bei einer vollständigen Umstellung von E5 auf E10 um etwa drei Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr sinken. Das entspricht vier Prozent des CO₂-Ausstoßes im Straßenverkehr. Warum das zuständige Umweltministerium seit Jahren auf eine solche Einsparung verzichtet, während sie in allen anderen europäischen Ländern realisiert wurde, erschließt sich ebenso wenig wie die Tatsache, dass auch im Jahr 2026 an E5 festgehalten wird. Dabei handelt es sich um einen Kraftstoff, den kein Kunde mehr tanken müsste und der die Umwelt jährlich mit zusätzlichen drei Millionen Tonnen CO₂ belastet. Die Politik scheut sich davor, den Verzicht auf E5 einzuführen, da sie befürchtet, den deutschen Autofahrern etwas wegzunehmen. Gleichzeitig hat sie jedoch kein Problem damit, dieselbe Zielgruppe in den kommenden 15 Jahren mit steigenden Benzinpreisen durch die Hintertür zu belasten.

Zudem gäbe es einen weiteren positiven Nebeneffekt: Würde E5 wegfallen, könnten alternative und umweltfreundlichere Kraftstoffe wie etwa HVO100 angeboten werden – ein Produkt, das insbesondere für Spediteure mit ihren Lkws interessant sein könnte.

Interessanterweise begründeten die anderen europäischen Länder die Abschaffung von E5 damit, nationale Klimaziele und europäische Vorgaben erfüllen zu wollen. Entweder liegen all diese Länder falsch – dann hätte man E10 allerdings nie einführen müssen – oder die deutschen Regierungen sind seit Jahren auf dem falschen Kurs.