Umfrage zur Wärmewende lässt aufhorchen – hört das auch Berlin?
Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat eine eigene Studie zur Akzeptanz der Wärmewende in der Bevölkerung durchführen lassen. Nur zehn Prozent von 5.000 Befragten äußerten sich positiv zu der Frage, ob sie der Politik ein sozialgerechtes Umsteigen auf klimaneutrales Heizen zutrauen. 82 Prozent antworteten mit „nein, auf keinen Fall“ oder „eher nein“. Die Umfrage wurde vom Institut Civey durchgeführt.
Auch der Kostenaspekt wurde im Zuge der Befragung untersucht. Dreiviertel der Befragten schließen klimaneutrales Heizen um den Preis höherer Heizkosten aus: 65 Prozent wollen auf keinen Fall mehr bezahlen, zehn Prozent eher nicht. Zudem zeigt sich eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Ziel der Wärmewende. Die Hälfte der Befragten hält klimaneutrales Heizen für „gar nicht wichtig“ (39 Prozent) oder „unwichtig“ (11 Prozent). 35 Prozent äußerten sich gegenteilig, davon 21 Prozent mit „sehr wichtig“ und 14 Prozent mit „eher wichtig“, während 15 Prozent unentschieden waren.
Die Erwartungen der Bevölkerung bei der Wärmewende spiegelten sich ebenfalls in der Befragung wider. Ganz oben rangieren weniger Bürokratie, verlässliche Vorgaben sowie realistische Ziele und Fristen für die Wärmewende. Wie der Gesetzgeber diese Erwartungen erfüllen will, ist eine offene Frage.
Der Ausstieg aus der Öl- und Erdgasnutzung ist politisch beschlossen. Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, bis 2045 klimaneutral zu sein und hat dieses Ziel im Grundgesetz verankert. In einem klimaneutralen Energiesystem hat fossiles Erdgas und Heizöl keinen Platz mehr. Dennoch wurden 2024 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von den rund 43 Millionen Wohnungen in Deutschland 56 Prozent mit Erdgas und 25 Prozent mit Öl beheizt. Diese Wohnungen müssen bis 2045 auf andere Wärmearten umgestellt sein, wobei die Umstellung bei Erdgas davon abhängt, wie lange es noch Gasleitungen gibt. Lediglich vier Prozent der Gebäude nutzten Wärmepumpen.
Gas wird in den kommenden Jahren teurer, da der CO₂-Preis weiter steigen soll. 2025 wurde Gas mit 55 Euro je Tonne CO₂ belastet, was für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden rund 250 Euro Mehrkosten pro Jahr inklusive Mehrwertsteuer bedeutet. Aktuell dreht sich die politische Diskussion darum, wann mit dem geordneten Rückbau der Gasverteilnetze begonnen werden soll. Derzeit dürfen Gasnetze nur stillgelegt werden, wenn der Betreiber nachweist, dass eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit vorliegt. Ein Entwurf zur Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes vom November 2025 sieht vor, Netzbetreiber künftig zu verpflichten, die Stilllegung systematisch zu planen.
Für die Netzbetreiber selbst birgt der Rückbau zunächst keine wirtschaftlichen Risiken. Aufgrund der geltenden Regulierung können sie ihre Kosten über die Netzentgelte an die Kunden weiterreichen, auch bei einer späteren Stilllegung. Als Orientierungsgröße für die Stilllegungsplanung sollen Prognosen zur Entwicklung der Gasnachfrage dienen. In einer Studie des Fraunhofer-Instituts wird davon ausgegangen, dass die Gasnachfrage bis 2045 auf null sinkt und das Netz vollständig stillgelegt wird. Ob dieses Szenario realistisch ist, ist umstritten. Viele Fachleute gehen davon aus, dass zumindest Teile des Gasverteilnetzes erhalten bleiben müssen, etwa für Unternehmen, deren Produktionsprozesse sich nicht elektrifizieren lassen.
Die Kommunen sind aktuell – je nach Größe der Gemeinde – verpflichtet, Pläne zu erarbeiten, wie sie künftig ohne Gas/Öl auskommen wollen. Einige setzen dabei auf mittelständische Unternehmen vor Ort, die überschüssige Prozesswärme in das Fernwärmenetz einspeisen. Dies gelingt jedoch in der Regel nur für einzelne Stadtteile. Zudem stellt sich die Frage, wer heute verlässlich sagen kann, ob die Unternehmen, die derzeit über überschüssige Prozesswärme verfügen, in zehn oder zwanzig Jahren noch am Markt sein werden. Wärmepumpen sind eine weitere Alternative, die jedoch eine komplexe Gebäudesanierung von älteren Häusern voraussetzen. Vieles in der Wärmewende basiert auf Wunschdenken, während die Kosten, die am Ende von den Bürgern getragen werden müssen, häufig ausgeblendet werden.
Neben dem Rückbau der Gasleitungen denkt die Regierungskoalition über die Einführung einer Grüngasquote nach. Vorbild ist die Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) im Kraftstoffbereich, die Mineralölunternehmen verpflichtet, klimafreundlichere Kraftstoffe wie Biodiesel oder Bioethanol beizumischen. Die THG-Quote steigt schrittweise an. Ziel einer Grüngasquote wäre es, den Markt für Wasserstoff und andere grüne Gase anzukurbeln. Vorgesehen ist ein Start im Jahr 2027 mit zwei Prozent, ein Anstieg auf sieben Prozent bis 2030 und auf 38 Prozent im Jahr 2035.
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat berechnet, welche Auswirkungen eine solche Quote auf die Gaspreise hätte. Ein Zweipersonenhaushalt, der Gas für Raumwärme und Warmwasser nutzt, müsste im Jahr 2030 mit jährlichen Mehrkosten von rund 178 Euro rechnen. Dies entspräche einem Aufschlag von etwa neun Prozent auf den heutigen Gaspreis. Für industrielle Großverbraucher wären die Auswirkungen deutlich gravierender. Nach Berechnungen des Instituts müsste ein energieintensiver Betrieb der Grundstoffchemie im mittleren Szenario mit einem Gaspreisanstieg von 28 Prozent rechnen.
Woher der benötigte klimaneutrale Wasserstoff oder andere grüne Gase kommen sollen, fragen sich auch Fachleute. Der Aufbau einer heimischen Erzeugung oder einer entsprechenden Importinfrastruktur wird noch Jahre in Anspruch nehmen. Zudem könnte eine verpflichtende Beimischung die Industrie vor erhebliche Probleme stellen, da es in vielen Bereichen keine Alternativen zu gasförmigen Energieträgern gibt.
Auch die technische Abwicklung, in allen Gemeinden Gasleitungen zurückzubauen und neue Leitungen für Fernwärme oder was auch immer zu installieren, wird in vielen Diskussionen ausgeblendet. Zudem wird volkswirtschaftliches Vermögen in erheblichem Umfang und schlagartig vernichtet, denn unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten gibt es keinen Grund auf Erdgas, ein sicheres und bestehendes System, zu verzichten. Doch diese Tatsache wurde bei der Schließung und Rückbau der Atomkraftwerke auch schon ausgeblendet. Zwischen 2030 und 2038 werden die deutschen Kohlekraftwerke abgeschaltet und zurück gebaut. Diese Maßnahmen zeigen, dass nicht nur der Rückbau der Infrastruktur enorme Gelder verschlingt, denn dazu kommen noch die Kosten für den Neubau einer bestehenden Infrastruktur. Was das beim Strom bisher an Summen verschlang, zeigt die Entwicklung der Strompreise.