E-Autos werden immer besser
Die deutschen Kfz-Hersteller taten sich in der Vergangenheit oftmals schwer, mit ihren Stromern Kunden anzusprechen. Konkurrenten aus China oder Tesla aus den USA hatten beim Flottenantrieb und der Software einen klaren Vorsprung. Aktuell sieht es danach aus, dass die Hersteller nicht bereit sind, die Führung kampflos abzugeben.
Rund 80 neue oder überarbeitete Fahrzeuge bringen die Premiumhersteller Mercedes und BMW bis Ende 2027 auf den Markt, wie das Handelsblatt berichtete. Ein großer Teil dieser neuen Fahrzeuge ist elektrisch. Die deutschen Hersteller haben sich in puncto Reichweite, Ladezeit und Effizienz deutlich verbessert. So kann der SUV iX3 von BMW mit einer Akkuladung mehr als 805 Kilometer fahren. Die Coupé-Limousine CLA von Mercedes kann in nur zehn Minuten Strom für bis zu 325 Kilometer an einer Schnellladesäule nachladen. Der Verbrauch pro 100 Kilometer liegt bei nur 12 Kilowattstunden – dies entspricht 1,4 Litern Benzin. „Jetzt sind die deutschen Hersteller wieder auf einem Level, auf dem sie auch wettbewerbsfähig sind“, sagt Achim Kampker, der einen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Aachen hat, zum Handelsblatt. Die Hersteller konnten die Energiedichte der Zellen erhöhen, die Batterie besser in das Fahrzeug integrieren und die Effizienz des Antriebs steigern. Zudem gelang es Mercedes und BMW, die Batteriekosten zu senken.
Die Reichweite konnte gesteigert werden, ohne größere Batterien einzusetzen. Stattdessen überlegten die Automobilhersteller wie sie Gewicht reduzieren können, um die Effizienz zu erhöhen. Darüber hinaus wurden die Fahrzeuge flacher konstruiert, wodurch sich der Luftwiderstand verringerte, und der Energieverbrauch sank.
Zudem gelang es, die Verluste im Antriebsstrang weiter zu minimieren, sodass ein größerer Anteil der von der Batterie bereitgestellten Energie tatsächlich die Räder erreicht. Während frühere Elektrofahrzeuge einen Wirkungsgrad von rund 89 Prozent aufwiesen, werden beim CLA bis zu 93 Prozent der abgegebenen Energie in Vortrieb umgesetzt, wie das Handelsblatt berichtet. Die Ingenieure von BMW konnten die Energieverluste insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten um bis zu 40 Prozent reduzieren. Möglich wurde dies unter anderem durch neu entwickelte Kühlsysteme sowie eine Optimierung des Gewichts des Antriebssystems.
Um ein schnelleres Laden zu ermöglichen, wurde die 800-Volt-Architektur ein zentraler Baustein, auf den BMW und Mercedes setzen. Bei früheren Generationen waren es nur 400 Volt. Der Nachteil: Die höhere Spannung ist technisch schwieriger umzusetzen und deshalb auch teurer. Der Vorteil: Es entstehen weniger Verluste, und der Ladevorgang beschleunigt sich. „Mehr Spannung heißt mehr Effizienz“, sagte Professor Kampker von der Technischen Hochschule Aachen zum Handelsblatt. Der Bordcomputer schlägt bei aktiver Navigation etwa mithilfe von Strecken-, Wetter- und Verkehrsdaten die passende Ladesäule vor und heizt die Batterie vor, damit sie vor Ort schneller geladen werden kann.
Doch auch die Chinesen haben ihre Autos fortentwickelt. BYD erklärt, dass neue Fahrzeuge mit der sogenannten Flash-Technologie in nur neun Minuten von 10 auf 97 Prozent aufgeladen werden. Der Konzern arbeitet derzeit auch an einer neuen, leistungsfähigeren 1.000-Volt-Architektur.
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, dass die deutschen Hersteller ihre Elektromotoren kontinuierlich weiterentwickeln. Auch die nächste Generation dieser Antriebstechnologie dürfte erhebliche Fortschritte mit sich bringen. Insbesondere im Jahr 2025 konnten durch die Einführung der 800-Volt-Technologie weitere Verbesserungen bei Ladegeschwindigkeit, Reichweite und Zellkosten erzielt werden. Dass Deutschland auch im Bereich moderner Elektrofahrzeuge technologisch konkurrenzfähig ist, zeigen derzeit eindrucksvoll die Modelle von Mercedes und BMW.