Betrachten wir Deutschland und Luxemburg im direkten Vergleich, zeigt sich Folgendes: Die Beschaffungspreise für Benzin und Diesel an den internationalen Handelsplätzen sind in beiden Ländern identisch.
Die Versorgung der luxemburgischen Tankstellen erfolgt aus Ländern wie Deutschland, Frankreich und Belgien sowie deren Handelsplätzen. Luxemburg hat keine eigene Raffinerie und keinen eigenen Handelsplatz und Luxemburger Tankstellen zahlen die gleichen Großhandelspreise wie Tankstellen in Belgien, Deutschland und Frankreich.
- Energiesteuer: + 0,19 €
- CO₂-Abgabe: + 0,06 €
- THG-Quote: + 0,17 €
- Mehrwertsteuer: + 0,10 €
In Summe ergibt sich ein Preisunterschied von rund 50 Cent pro Liter.
Luxemburg fördert seit Jahrzehnten gezielt den Tanktourismus aus Belgien, Frankreich und Deutschland sowie den Transitverkehr. Die staatlichen Einflussfaktoren verteuern den Benzinpreis in Deutschland gegenüber Luxemburg um rund 50 Cent pro Liter. Diese Differenz erklärt den Preisunterschied an der Zapfsäule – nicht etwa unterschiedliche Preismodelle der Tankstellen.
Luxemburg verfolgt seit rund 30 Jahren bewusst und massiv eine Politik zur Förderung des Tanktourismus – durch niedrige Energiesteuern, moderate CO₂-Abgaben und keine THG-Regelungen. Diese Strategie richtet sich nicht nur an Deutschland, sondern auch an Frankreich und Belgien.
Das zeigt sich auch bei den Absätzen: Eine Tankstelle in Deutschland verkauft im Durchschnitt etwa drei Millionen Liter pro Jahr, in Luxemburg sind es rund acht Millionen Liter – also das 2,5-Fache. Hinzu kommt ein deutlich stärkeres Shopgeschäft (zum Beispiel bei Tabakwaren und Kaffee). Es gibt Grenztankstellen in Luxemburg, die Absätze von mehr als 20 Millionen Litern pro Jahr erreichen. In Luxemburg hat sich bisher kein Konzern aus dem Tankstellengeschäft zurückgezogen. Auch dies sollten Politiker bedenken, wenn sie von dem Luxemburger Modell sprechen, denn diese Tatsache unterstreicht, dass das Tankstellengeschäft in Luxemburg wohl attraktiver ist als auf der deutschen Seite.
Auch die Tankstellendichte spricht für sich: Luxemburg hat etwa 235 Tankstellen bei rund 660.000 Einwohnern. Deutschland verfügt über etwa 14.000 Tankstellen bei 82 Millionen Einwohnern. Hochgerechnet würde Luxemburg ohne Tanktourismus nur rund 110 Tankstellen benötigen. Entlang der Luxemburger Grenze zur deutschen Seite gibt es nur noch wenige Tankstellen und das auf eine Tiefe von rund 50 bis 70 km in Eifel, Hunsrück und Saarland hinein. Marken wie Esso, Shell und Aral haben sich aus diesem Gebiet schon in den letzten 30 Jahren zurückgezogen, da sie entlang der Grenze, ob in Echternach oder Wasserbillig, riesige Tankbahnhöfe betreiben mit höheren Absätzen und Margen als auf der deutschen Seite.
Diese Zahlen unterstreichen: Die Luxemburger Regierung fördert gezielt über Steuern und geringere Umweltabgaben den Tanktourismus – und das funktioniert nur über niedrige Kraftstoffpreise.
Deutschland verfolgt bewusst einen anderen Weg mit höheren Abgaben und strengeren Vorgaben. Wer also einen „Dieb“ sucht, sollte zuerst die staatlichen Preisbestandteile genauer betrachten. Zudem hilft der Tanktourismus – unter anderem nach Polen, Österreich, Belgien und Luxemburg – unsere CO2-Bilanz zu verbessern. Die Mengen, die dort getankt werden, gehen nicht in unsere CO2-Bilanz ein, auch wenn sie in Deutschland verfahren werden.