Hersteller fordern Ladenetz – Edeka setzt lieber auf Biogas

Aktuell werden nach wie vor von den Transportunternehmen Fahrzeuge mit Dieselmotoren gekauft und weniger reine E-Trucks. E-Trucks funktionieren und werden von den Kunden gekauft, die den Betrieb der Fahrzeuge in ein funktionierendes Geschäftsmodell einbauen können. Doch dieses Geschäftsmodell ist zurzeit nur wenigen Transportunternehmen vorbehalten.

In der Transportbranche gilt es, mit Margen zwischen drei und fünf Prozent zu arbeiten. Die Routen müssen effizient geplant sein und die Zahl der Leerfahrten sollte gegen null gehen, so die FAZ. Nur wenn die Fuhrunternehmer ihre Lastwagen so auslasten, dass mit jedem Kilometer auf der Straße auch Erlöse erwirtschaftet werden, kann ein Unternehmen erfolgreich arbeiten. Um die Standzeiten zu minimieren, bedarf es einer verlässlichen Ladeinfrastruktur. Lkw stellen beim Ladevorgang weitaus höhere Lastanforderungen an das Stromnetz als Pkw. Hierdurch entstehen Ladespitzen, die die Kapazitäten des Stromnetzes oft nicht hergeben. Aktuell hinken die Netzbetreiber beim Ausbau der Stromnetze hinterher und es wird dauern, bis wir ein leistungsfähiges Stromnetz mit Batteriespeichern, Photovoltaikanlagen und Windrädern haben, die es schaffen, auf all diese neu entstehenden Spitzen einzugehen. Die Lkw-Hersteller müssen bis 2030 den CO₂-Flottenausstoß gegenüber den Referenzjahren 2019/2020 um 45 Prozent reduzieren.

Daher haben sie in einem offenen Brief das Streichen der drohenden Strafzahlungen wegen Verfehlung der CO₂-Vorgaben gefordert. In der jetzigen Situation würde die EU-Kommission die Lastwagenhersteller für etwas verantwortlich machen, was am Ende die Unternehmen verursachen, die die Lastwagen kaufen sollen. Aktuell liegt laut FAZ der Anteil von elektrischen Lastwagen bei den jährlichen Neuzulassungen bei zwei Prozent. Wenn die Kfz-Hersteller die drohenden Strafzahlungen ab 2030 vermeiden wollen, müssten dann 35 bis 40 Prozent aller neuzugelassenen Lastwagen elektrisch fahren. „Damit Transporteure die Fahrzeuge aber profitabel einsetzen können, müssten in der verbleibenden Zeit in Europa jeden Monat 750 bis 800 Ladestationen entstehen. Wie utopisch das ist, zeigt die Tatsache, dass Baden-Württemberg mit dem Ausbau von Ladesäulen an nur sechs Rastplätzen nicht vor 2032 fertig sein wird“, so die FAZ.

Im Handelsblatt wurde berichtet, dass die EDEKA-Organisation Minden-Hannover 550 ihrer Schwerlastwagen auf Bioflüssiggas umgestellt hat und weitere 100 bis Anfang nächsten Jahres folgen. Hierdurch spart die EDEKA-Organisation binnen zwei Jahren 30.000 Tonnen CO₂ ein. Es wurde auch geprüft, ob Elektro-Lkw eine sinnvolle Lösung sein könnten. EDEKA musste in der Praxis jedoch schnell feststellen, dass Elektro-Lkw für sie keine Option sind. „Ein Elektro-Lkw kostet doppelt so viel wie ein Dieselfahrzeug“, so der Logistik-Geschäftsführer von EDEKA Minden, Thomas Steinlein, zum Handelsblatt, „und keiner wüsste, wie lange die Lebenszeit der Batterie wirklich ist.“

Doch der entscheidende Punkt war, dass EDEKA an seinen Lagerstandorten nicht genügend Strom bekam, um eine ausreichende Zahl an Elektro-Lkw aufzuladen. An den sechs Logistikzentren betreibt EDEKA zwischen 90 und 140 Schwerlastwagen, die jeden Tag zu den Supermärkten fahren müssen. Mit der Netzanschlussleistung, die der Versorger bereitstellt, könnten an den Standorten im Schnitt jedoch kaum mehr als zehn Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden. „Das wird sich auch in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht wesentlich ändern“, so Steinlein zum Handelsblatt. Was EDEKA ärgert, ist, dass Fahrzeuge, die mit Biogas betrieben werden, trotz ihrer CO₂-Neutralität nicht von der Maut befreit werden.

Auf Nachfrage des Handelsblatts teilte das Bundesumweltministerium Folgendes mit: „Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die Elektrifizierung des Schwerlastverkehrs zu beschleunigen, weshalb batterieelektrische Lkw von der CO₂-Komponente der Lkw-Maut befreit sind. Eine zusätzliche gesetzliche Förderung von Biogas im Verkehr sei nicht sinnvoll, da hier als Alternative die Dekarbonisierungsoptionen wie die Elektrifizierung zur Verfügung stehen“, so das Ministerium zum Handelsblatt. Eigentlich sollte es der Politik egal sein, wie die Klimaziele erreicht werden, Hauptsache der CO₂-Ausstoß sinkt. Dies ist eine weitere gesetzliche Regelung, die unterstreicht, wie kleinteilig die Politik in Europa und besonders in Deutschland eingreift, anstatt die Vorgaben technologieoffen zu gestalten.