Deutsche Politiker suchen verzweifelt nach Schuldigen für die hohen Tankstellenpreise – aber wer ist der Dieb?

Die Politik sucht erneut nach einem Schuldigen für steigende Tankstellenpreise. Der „Dieb“ scheint schnell gefunden: die Mineralölgesellschaften. Diskutiert werden das österreichische Modell (nur eine Preiserhöhung pro Tag, was seit 01.04.2026 in Deutschland gilt) oder das belgische oder luxemburgische Modell mit staatlich festgelegten Maximalpreisen.

2011 wurde die Marktransparenzstelle in Deutschland eingeführt, (der Bundesverband freier Tankstellen warnte damals davor) mit der Folge, dass die Preise sehr viel schneller unter Tage schwanken als früher, was im Prinzip auf starken Wettbewerb in einer Branche hindeutet. Seit 01.04.2026 dürfen Tankstellen nur noch einmal am Tag erhöhen. Die stark schwankenden Preise haben an deutschen Tankstellen abgenommen und das war politisch so gewollt und gefordert, aber das ist auch wieder falsch, da dadurch die Tankstellenpreise höher wären als vor dem 01.04.2026, so die Ansicht der Politik. Was will die Politik – einheitliche Preise oder intensiven Wettbewerb? Warum lässt die Politik nicht den Verbraucher entscheiden, zu welchem Preis er wann tankt? Nicht hinter jeder Hecke ist ein Dieb, auch wenn der Eindruck gerne von der Wirtschaft und besonders von Mineralölkonzernen in Deutschland so vermittelt wird.

Das Luxemburger Modell würde die deutlichen Preisunterschiede in Deutschland weitgehend beseitigen und echten Wettbewerb verhindern – mit gravierenden Folgen für viele freie Tankstellen. Deutschland hat einen hohen Anteil mittelständischer, oft regional tätiger Anbieter, die das Rückgrat des Marktes bilden und für Wettbewerb sorgen.

Doch was sind die tatsächlichen Ursachen für Preisunterschiede zu günstigeren Ländern?

Energiesteuer

  • Polen: Benzin 0,35 bis 0,40 €, Diesel 0,33 bis 0,35 €
  • Luxemburg: Benzin 0,46 €, Diesel 0,34 bis 0,35 €
  • Österreich: Benzin 0,48 bis 0,50 €, Diesel 0,40 bis 0,43 €
  • Deutschland: Benzin 0,65 €, Diesel 0,47 €

Bereits die Energiesteuer erklärt einen Großteil der Preisunterschiede.
Hinzu kommt die nationale CO₂-Abgabe:

  • Polen: 0 €/Liter – keine Abgabe
  • Luxemburg: 0,10 bis 0,11 €/Liter entspricht 45 €/Tonne
  • Österreich: 0,12 bis 0,14 €/Liter entspricht 55 €/ Tonne
  • Deutschland: circa 0,15 bis 0,17 Cent/Liter entspricht 65 €/ Tonne

Damit haben insbesondere Tankstellen in Luxemburg und Polen deutliche Kostenvorteile bei der Energiesteuer und CO₂-Abgabe.

Mehrwertsteuer

  • Deutschland: 19 Prozent
  • Österreich: 20 Prozent
  • Luxemburg: 17 Prozent
  • Polen: 23 Prozent

Beispiele (Benzin/Diesel):

  • Deutschland: 2,08 € → 0,33 € / 2,29 € → 0,37 €
  • Österreich: 1,71 € → 0,29 € / 2,06 € → 0,34 €
  • Luxemburg: 1,57 € → 0,23 € / 1,95 € → 0,28 €
  • Polen: 1,50 € → 0,28 € / 1,77 € → 0,33 €

Im Vergleich zu Österreich und Polen spielt die Mehrwertsteuer mit rund 4 Cent Unterschied eine eher untergeordnete Rolle. Gegenüber Luxemburg ergibt sich jedoch ein Vorteil von etwa 10 Cent.

Die Mehrwertsteuer wird in allen Ländern auf den Gesamtpreis erhoben – also auf Produktpreis, Energiesteuer und CO₂-Abgabe. Sie wirkt somit wie eine „Steuer auf Steuern“. Je höher Energiesteuern, CO₂-Abgaben und Treibhausgasminderungsquoten (THG), desto höher fällt auch die Mehrwertsteuer absolut aus. Die deutsche Mehrwertsteuer anzupassen hätte eine gewisse Logik, ist aber nicht gewollt.

THG-Vorgaben
Auch die Treibhausgasminderungsquote verteuert Kraftstoffe unterschiedlich stark:

  • Deutschland: circa 17 Cent/Liter
  • Österreich: circa 6 Cent/Liter
  • Polen: circa 4 Cent/Liter

Ein weiterer preissteigernder Faktor sind die sogenannten THG-Vorgaben. Diese EU-Vorgaben werden in den einzelnen Ländern – etwa in Deutschland, Österreich, Luxemburg und Polen – sehr unterschiedlich umgesetzt.

Deutschland hat dabei die komplexesten und damit auch teuersten Regelungen (kommt einem irgendwie bekannt vor – ist bei den Datenschutzvorschriften genauso), während andere Länder einfachere Beimischungsmodelle nutzen. Die Treibhausgasminderungsquote verpflichtet Kraftstoffanbieter, ihre durchschnittlichen CO₂-Emissionen pro Liter Kraftstoff zu senken.

Ursprünglich sollte dies durch den Einsatz von Biokraftstoffen geschehen. Da die in Deutschland jährlich steigenden Minderungsziele jedoch durch Beimischung allein nicht erreichbar sind, müssen Unternehmen zusätzlich Zertifikate von anderen Anbietern erwerben, um Strafzahlungen zu vermeiden.

Im Jahr 2026 belasten die THG-Vorgaben den Spritpreis in Deutschland mit rund 17 Cent pro Liter. In Österreich sind es etwa 6 Cent, in Polen rund 4 Cent. Damit ergibt sich ein Nachteil von etwa 10 Cent gegenüber den Nachbarländern – zuzüglich der darauf erhobenen Mehrwertsteuer. Luxemburg hat keine THG-Abgabe auf Kraftstoffe.