Fehlende Raffinerien in Nahost und aus Russland schränken das Angebot ein

Am 27. Februar 2026, bevor der Krieg im Iran ausbrach, notierte der Rohölpreis für die Brentware in Rotterdam bei 72 Dollar. Der Euro-Dollar-Wechselkurs lag bei 0,85 Euro, somit kostete 1 Barrel 61 Euro. Bei 159 Litern pro Barrel entspricht das 38 Cent je Liter.

Am 25. September 2026 lag der Rohölpreis bei 106 Dollar – 34 Dollar höher als am 27. Februar – der Dollarwechselkurs bei 0,88 Euro und ein Barrel somit bei 93,30 Euro, was einem Preis von 58 Cent je Liter entsprach. Der Rohölpreis war seit Kriegsausbruch also um 20 Cent gestiegen. Rechnet man die Mehrwertsteuer hinzu, schlagen an der Tankstelle wegen des gestiegenen Rohölpreises 24 Cent durch.

Deutlich entscheidender für den Tankstellenpreis ist jedoch der Produktpreis ab Raffinerie. Zwischen dem 27. Februar und dem 25. September 2026 stieg der Preis für Benzin um 600 Dollar (460 Euro) pro Tonne und für Diesel um 700 Dollar (640 Euro) pro Tonne. Umgerechnet in Cent je Liter erhöhte sich der Benzinpreis um 35 Cent und der Dieselpreis um 54 Cent, während der Rohölpreis nur um 20 Cent zulegte.

Rechnet man die Preisdifferenz in Eurocent je Liter wieder auf ein Barrel Rohöl in Dollar um, so stieg der Benzinpreis im genannten Zeitraum um weitere 27 Dollar, der Diesel sogar um 61 Dollar pro Barrel – zusätzlich zu dem reinen Rohölpreisanstieg von 34 Dollar. Anders ausgedrückt: Von den gestiegenen Tankstellenpreisen seit Ausbruch des Golfkrieges entfallen ohne Mehrwertsteuer 20 Cent auf den Rohölpreis und 15 Cent bei E10 bzw. 34 Cent bei Diesel auf die höheren Raffineriepreise. Diese Verteuerung traf alle Märkte, da die Preise sowohl für Rohöl als auch ab Raffinerie weltweit anstiegen.

Auf diese Preissteigerung kommen an der Tankstelle in Deutschland noch die höhere Mehrwertsteuer von 7 Cent für E10 und 10 Cent für Diesel. Ohne die hohen Raffineriepreise und trotz eines gestiegenen Rohölpreises, lägen die Kraftstoffpreise für E10 rund 20 Cent und für Diesel rund 40 Cent tiefer.

In Deutschland sind die Benzin- und Dieselpreise zeitweise noch stärker gestiegen als am Weltmarkt, da die Niedrigwassersituation am Rhein zu höheren Frachten sowie längeren Transportwegen der Tankwagen zu den Raffinerien führte. Die Läger am Rhein waren per Schiff kaum noch zu versorgen, sodass die Ware per Tanklastwagen bei den Raffinerien abgeholt werden musste. Die internationalen Preisbewegungen fanden auch in den Nachbarländern statt, sofern nicht von staatlicher Seite durch entsprechende Energiesteuersenkungen eingegriffen wurde.

Hierüber berichtete auch das Handelsblatt und stellte fest, dass im europäischen Großhandel insbesondere die Preise für Diesel explodiert seien. So kostete zeitweise eine Tonne Diesel am nordeuropäischen Öldrehkreuz Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen (ARA) in der Spitze mehr als 1.600 US-Dollar – 900 Dollar mehr als vor Beginn des Krieges im Iran.
Die Einschränkungen bei der Rohölversorgung infolge der zeitweisen eingeschränkten Passage durch die Straße von Hormus sind ein Faktor, der den Tankstellenpreis beeinflusst. Die hohen Raffineriepreise sind hingegen vor allem darauf zurückzuführen, dass die Ukraine gezielt russische Raffinerien angreift, um deren Treibstoffproduktion und damit die Versorgung der russischen Kriegslogistik mit Kraftstoffen zu beeinträchtigen. Nach Schätzungen der Bank of America sind derzeit weltweit sieben bis acht Prozent der Raffineriekapazitäten außer Betrieb. Eine schnelle Entspannung zeichnet sich bislang nicht ab – im Gegenteil: Am 20. September 2026 wurde eine der wichtigsten Raffinerien Russlands in der Nähe von Moskau massiv von Drohnenangriffen getroffen und musste ihre Produktion stark einschränken.

Darüber hinaus wurde die saudi-arabische Pipeline, die es Saudi-Arabien ermöglichte, Rohöl zum Roten Meer zu transportieren, von den Huthi angegriffen. Saudi-Arabien wird somit zumindest im Oktober kein Rohöl nach Europa liefern. Da Russland mit seiner umfassenden Dieselproduktion ausfällt und sogar selbst am Weltmarkt Diesel zukaufen muss, exportieren die amerikanischen Raffinerien so viel Diesel wie nie zuvor. Dies hat zur Folge, dass auch der Gallonenpreis für Diesel in den USA auf den Rekordwert von 6,51 US-Dollar gestiegen ist – umgerechnet rund 1,50 Euro je Liter. Vor dem Krieg am Persischen Golf lag der Dieselpreis in den USA an den Zapfsäulen bei 0,80 Euro je Liter. Folglich hat sich der Dieselpreis an amerikanischen Tankstellen fast verdoppelt. In Amerika beginnt deshalb eine Diskussion über Beschränkungen der Dieselexporte nach Übersee, um den heimischen Dieselpreis wieder zu senken. Eine solche Maßnahme wäre eine Katastrophe für Europa und den Rest der Welt, denn diese fehlenden Mengen sind nicht zu ersetzen.

Aktuell gehen viele Experten davon aus, dass sich weder die Situation der geschädigten Raffinerien in Russland noch die Situation im Nahen Osten – sei es die Straße von Hormus oder die dort beschädigten Pipelines und Raffinerien – in naher Zukunft entspannen wird. Aus heutiger Sicht müssen wir uns für diesen Winter weiterhin auf sehr hohe Weltmarktpreise, sowohl am Bohrloch als auch ab Raffinerie einstellen. Dies führt in der Konsequenz zu weltweit hohen Tankstellenpreisen.