E-LKWs brauchen Tankstellen – aber die Netze fehlen
Die Hersteller von Elektro-Lkw können inzwischen beachtliche Reichweiten vorweisen. Der Mercedes-Benz eActros Lowliner schafft 500 Kilometer mit einer Batterieladung. Der FH Aero Electric von Volvo kommt in der Topvariante auf bis zu 700 Kilometer. Die Batteriekapazität erreicht bei Daimler 621 Kilowattstunden, bei Volvo sind es 780 Kilowattstunden. Der Hochlauf bei E-Trucks gewinnt an Dynamik, allerdings steht der breite Marktdurchbruch noch aus. Hierfür gibt es zwei Gründe: Der Elektro-Lkw ist aktuell noch deutlich teurer als vergleichbare Dieselmodelle und die Ladeinfrastruktur erweist sich als anspruchsvoll, denn E-Lkw benötigen enorme Energiemengen. Während sich eine Pkw-Batterie schon mit 100 Kilowatt Ladeleistung gut in einer Kaffeepause füllen lässt, benötigen Lkw idealerweise ein volles Megawatt, so das Handelsblatt. „Im Fernverkehr bei wechselnden Routen oder mehrtägigen Einsätzen werden leistungsfähige Ladepunkte an Autobahnen, Logistikstandorten sowie Be- und Entladestellen unverzichtbar“, so der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), Dirk Engelhardt, gegenüber dem Handelsblatt.
Oftmals sind die Stromlieferanten nicht in der Lage, den entsprechenden Netzanschluss in diesem Umfang zur Verfügung zu stellen. Die Stromlieferanten beklagen einen enorm hohen Anstieg der Netzanfragen, auch seitens der Industrie. Der Netzausbau erfordert einen mehrjährigen Prozess aus Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten, und zudem mangelt es an verfügbaren Fachfirmen. Zwischen 15.000 und 20.000 öffentliche Ladepunkte speziell für Lkw müsste es laut McKinsey in Europa bis 2030 geben. Branchenverbände sprechen gar von 35.000 Ladepunkten. Derzeit sind, je nach Zählung, zwischen 2.000 und 5.000 Ladepunkte in Betrieb. Vor allem in Südeuropa fehlen Lademöglichkeiten, so das Handelsblatt.
Hinzu kommt, dass laut einer McKinsey-Studie in 70 Prozent der Fälle für Spediteure das Dieselfahrzeug günstiger ist als der E-Truck. Gemäß den Klimaschutzvorgaben der EU müssen 2030 etwa 35 Prozent der neu zugelassenen Lkw in der EU emissionsfrei sein. In der ersten Jahreshälfte 2026 machten elektrisch betriebene Trucks laut Dataforce keine drei Prozent der Neuzulassungen in Europa aus. Das Beratungshaus BCG geht davon aus, dass E-Trucks bis Ende der Dekade einen Anteil von 27 Prozent an den Neuzulassungen haben werden.
Auf diesen wachsenden Markt setzen auch die E-Lkw-Hersteller aus China. Der chinesische Hersteller BYD will auf den europäischen Markt kommen mit seinem Truck ETT 44, der Reichweiten von 500 bis 600 Kilometern pro Batterieladung und eine Ladezeit von 20 Minuten für 400 Kilometer bietet. Einen Preis für seinen Truck nannte BYD bisher nicht. Der vergleichbare Mercedes-Benz eActros 600 kostet laut Liste mindestens 286.000 Euro plus Mehrwertsteuer bei ähnlicher Reichweite wie der BYD.