Kommentar Jürgen Doetsch sen.
Ohne den Iran geht es nicht – Trump hat dem Regime in Teheran mit dem Krieg aufgezeigt, wie mächtig die Kontrolle über die Straße von Hormus für die Weltwirtschaft ist.
Als Donald Trump am 11. März 2026 nach Angriffen auf iranische Militär- und Industrieanlagen in einem Interview erklärte, alle Ziele im Iran seien zerstört und es gebe „praktisch nichts mehr, was man bombardieren könne“, hielt er das selbst für eine gute Nachricht. Tatsächlich ist es das Gegenteil, wie NTV berichtete.
Ein militärischer Angriff ist nicht schon dann erfolgreich, wenn operative Ziele erreicht werden – etwa die Zerstörung einer Raketenabschussrampe oder die Ausschaltung von Führungspersonen. Strategischer Erfolg zeigt sich erst, wenn kombinierte Angriffe messbare Wirkungen entfalten, so NTV. Der Iran bedroht die Straße von Hormus. Der daraus resultierende Frachterstau treibt die Ölpreise auf Höchststände und belastet die Börsen weltweit. Gleichzeitig werden Lieferketten unterbrochen und die Welt rückt laut Internationaler Energieagentur in die Nähe einer schweren Öl- und Gaskrise.
Zugleich hat sich der Iran mit der Kontrolle über die Straße von Hormus einen mächtigen Hebel geschaffen, den der Iran zuvor nur theoretisch besaß. Die Sicherung der Meerenge gegen Raketen oder Drohnen ist äußerst schwierig. Zudem erkennt das Regime in Teheran, dass sich über eine Art Schutzgebühr für freies Geleit eine dauerhafte Einnahmequelle erschließen lassen könnte.
Ein möglicher Einsatz amerikanischer Elitetruppen zur Besetzung der Insel Charg würde die Lage weiter verschärfen. Über die dortigen Terminals wickelt der Iran rund 85 bis 90 Prozent seiner Rohölexporte ab. Ein Einbruch dieser Exporte würde das Regime wirtschaftlich stark unter Druck setzen. Doch ein derart bedrängtes Regime könnte zu drastischen Maßnahmen greifen – etwa zur Verminung der Straße von Hormus.
Die iranische Strategie zielt derzeit klar auf Eskalation. Steigende Öl- und Gaspreise sollen die Weltwirtschaft erschüttern und zugleich die wirtschaftlichen Modelle der Golfstaaten schwächen – etwa als Drehkreuze für Luftverkehr, Finanzplätze, Technologiezentren mit KI und Tourismus. Anders als in früheren Konflikten reagiert Teheran nicht mehr begrenzt, sondern gezielt destabilisierend. Ziel ist es, Unsicherheit an den Märkten zu erzeugen und so den Druck auf Trump zu erhöhen. Fallende Börsenkurse treffen auch die Altersvorsorge vieler Amerikaner, während steigende Energiepreise die Verbraucher in den USA direkt belasten. Gleichzeitig gerät auch die Weltwirtschaft ins Wanken, insbesondere bei anhaltend hohen Energiepreisen und möglichen Versorgungsstörungen im Falle einer längerfristigen Blockade der Straße von Hormus.
Das Regime im Iran steht mit dem Rücken zur Wand, unterdrückt weiterhin die eigene Bevölkerung und kontrolliert die Kommunikation im Land. Ein baldiger Sturz ist nicht absehbar. Trump wird erkennen müssen, dass er diesen Krieg nicht allein beenden kann. Das ist nur gemeinsam mit dem Iran möglich, der mit der Kontrolle über die Straße von Hormus ein starkes Druckmittel besitzt. Wie beim Tango braucht es zwei, um ihn zu tanzen – und zwei, um ihn zu beenden. Genau das lernt Trump gerade.