Im Jahr 2025 schwankte der Rohölpreis für die Sorte Brent in der Regel zwischen 60 und 70 Dollar und lag im Mittel bei 65 Dollar. Im Jahr 2024 lagen die Rohölpreise im Jahresdurchschnitt um 10 Dollar höher bei 75 Dollar, und die Schwankungsbreite lag unterjährig zwischen 60 und 85 Dollar. Ein um 10 Dollar niedriger Rohölpreis ließ die Tankstellenpreise sinken. Doch ein weiterer wichtiger Effekt kam für uns Europäer hinzu.
Die erratische Politik von Donald Trump führte dazu, dass der Euro-Dollar-Wechselkurs von 0,97 Euro auf 0,86 Euro fiel und der Dollar gegenüber dem Euro schwächelte. Hierdurch sank der Rohölpreis in Euro um 23 Euro pro Barrel, und dies bewirkte bei 159 Litern pro Barrel einen Preisverfall von 14 Cent für uns Europäer. Allerdings kam dieser Preisverfall nicht ganz bei uns an. Da in Deutschland zum 01. Januar 2025 zum einen die Treibhausgasminderungsquote und zum anderen die CO₂-Abgabe erhöht wurden, kam es zu einem Preisanstieg von vier bis fünf Cent je Liter. In der Folge lag der Benzinpreis für E5 im Januar 2025 bei 1,75 Euro und der Diesel bei 1,64 Euro. Im Dezember lag der E5-Preis bei 1,67 Euro und der Dieselpreis bei 1,52 Euro.
2025 war die weltweite Ölnachfrage ausreichend bedient worden, da die OPEC mehr produzierte, als der Markt aufnehmen konnte. Auch die Exportrestriktionen, die gegenüber Ländern wie Iran, Venezuela und Russland verhängt sind, führten zu keiner nennenswerten Verknappung der Produkte. Die vergangenen drei Jahre waren in Deutschland von moderaten Tankstellenpreisen geprägt. Der Benzinpreis fiel um sechs Cent und der Diesel sogar um 13 Cent im Vergleich zum Durchschnittspreis eines Jahres.
Dies ist besonders erfreulich, da zwischen 2023 und 2025 die erhöhte deutsche CO₂-Abgabe von 20 Euro, inklusive Mehrwertsteuer, einen Preisanstieg an der Zapfsäule von sechs bis sieben Cent zur Folge hatte. Folglich haben der gesunkene Rohölpreis und der schwache Dollar diesen preistreibenden Effekt mehr als kompensiert.
Wie geht es weiter im Jahr 2026?
Auch im Jahr 2026 wird die nationale CO₂-Abgabe weiter steigen. Aktuell geht die Branche von Mehrkosten inklusive Mehrwertsteuer von drei bis vier Cent aus. Die vom Kabinett im Dezember 2025 verschärften Treibhausgasminderungsziele bewirken einen weiteren Preisanstieg von sechs bis acht Cent je nach Produkt, sodass die Benzin- und Dieselpreise inklusive Mehrwertsteuer um rund 12 Cent gestiegen sind.
Die Frage wird sein, ob uns der Rohölpreis auch im Jahr 2026 helfen wird, diese Mehrkosten zu kompensieren. Aktuell tendiert der Rohölpreis aufgrund der Unruhen im Iran sowie der politischen Situation in Venezuela je nach Nachrichtenlage zwischen 60 und 65 Dollar. Der Dollar bleibt erst einmal schwach gegenüber dem Euro. Die OPEC plant aktuell keine massiven Fördermengenreduzierungen und es wird im Jahr 2026 nur eine leicht steigende Nachfrage nach Öl von 1,3 Millionen Barrel pro Tag (plus 1,2 Prozent) auf 107,7 Millionen Barrel pro Tag von der IEA (internationale Energieagentur) weltweit erwartet. Die OPEC produziert 28 Millionen Barrel und könnte ihre Reservekapazitäten auf 31,5 Millionen Barrel erhöhen. Diese Reserve ist ausreichend, um auf eine höhere Nachfrage zu reagieren. Aus Sicht der IEA wird das Angebot die Nachfrage um 2,8 Millionen Barrel pro Tag übersteigen, und dies sollte weiter preisdämpfend wirken. Die IEA erwartet aus diesen Gründen im Jahr 2026 einen durchschnittlichen Rohölpreis für die Sorte Brent von 56 Dollar, wobei je nach Nachrichtenlage die Preise zwischen 50 und 70 Dollar schwanken können.
Somit könnte der Rohölpreis erneut leicht dämpfend auf die Tankstellenpreise und damit auf die verschärften Quotenpreise und CO₂-Abgaben in Deutschland wirken. Allerdings dürfte dieser dämpfende Effekt die höheren CO₂-Abgaben an den deutschen Tankstellen im Jahr 2026 nicht kompensieren. Folglich ist davon auszugehen, dass sich der Tankstellenpreis im Jahr 2026 zwischen 1,65 und 1,85 Euro für E5 und zwischen 1,50 und 1,70 Euro für Diesel bewegen werden.