Die Politik sucht Wege, das Verbrenner-Aus doch beizubehalten

Nach den Plänen der EU-Kommission sollen die Kfz-Hersteller mehr Zeit erhalten, um den Absatz von Elektrofahrzeugen zu steigern. Nach der aktuellen Planung dürfen auch nach 2035 in der Europäischen Union Neufahrzeuge zugelassen werden, die nicht rein elektrisch angetrieben sind. Ursprünglich wollte die EU ab 2035 nur noch Neuwagen erlauben, die kein klimaschädliches CO₂ ausstoßen. Dies hätte neue Verbrenner- sowie Hybridmodelle faktisch verboten.

Die nun geplante Regulierung sieht vor, dass die Autobauer ihre CO₂-Emissionen in der EU bis 2035 um 90 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 2021 reduzieren müssen. Das würde bedeuten, dass ab 2035 etwa 27 bis 29 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge weiterhin Verbrenner- oder Hybridfahrzeuge sein dürften. Mehr als 70 Prozent der verkauften Neuwagen in der EU müssten dann vollelektrisch sein. In den ersten elf Monaten des Jahres 2025 waren europaweit jedoch nur 17 Prozent der neu zugelassenen Pkw reine Elektrofahrzeuge. Der Sprung von 17 auf über 70 Prozent innerhalb von zehn Jahren stellt eine erhebliche Herausforderung dar, die ohne regulatorischen Druck kaum zu erreichen sein dürfte. Hinzu kommt, dass sich in Deutschland abzeichnet, dass das ursprüngliche Ziel von 15 Millionen Elektroautos bis 2030 deutlich verfehlt werden wird. Auch in Ost- und Südeuropa kommt der Hochlauf der Elektromobilität nur schleppend voran.

Ursprünglich sollten die CO₂-Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 2021 sinken. Nun soll dieses Ziel erst im Dreijahreszeitraum von 2030 bis 2032 erreicht werden – analog zur bereits beschlossenen Streckung der Vorgaben für die Jahre 2025 bis 2027. Für die Automobilhersteller hat dies den Vorteil, dass geplante Elektromodelle auch später auf den Markt gebracht werden können, falls die aktuelle Nachfrage nicht ausreicht.

Allerdings sieht auch das neu geplante EU-Paket einige restriktive Maßnahmen für einzelne Länder vor. So sollen in Deutschland im Jahr 2030 mindestens 54 Prozent aller Dienstwagen größerer Unternehmen elektrisch fahren, 2035 soll dieser Anteil auf 95 Prozent steigen, wie das Handelsblatt berichtet. Derzeit liegt der E-Anteil bei Dienstwagen bei rund 21 Prozent. Ob Deutschland diese EU-Vorgabe tatsächlich umsetzen muss, ist noch unklar. Da Firmenkunden 60 bis 70 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in der EU ausmachen, sehen Kritiker in diesen Regelungen vor allem ein „Verbrenner-Aus durch die Hintertür“. Für international tätige Automobilhersteller bedeuten die vielen Einzelvorgaben zudem mehr Komplexität und weniger Planungssicherheit, da sich die Absatzbedingungen von Land zu Land deutlich unterscheiden könnten.

Es bleibt abzuwarten, was die EU-Kommission am Ende tatsächlich beschließt und welche Regelungen von den einzelnen Mitgliedstaaten verabschiedet werden. Vieles deutet darauf hin, dass erneut zahlreiche Detailregelungen und Verrechnungen mit anderen Branchen vorgesehen sind. So plant die EU-Kommission unter anderem Gutschriften für Treibhausgaseinsparungen durch E-Fuels und Biokraftstoffe sowie für den Einsatz von CO₂-armem Stahl im Automobilbau.

Auch die SPD hat Vorschläge vorgelegt, um die EU-Vorgaben zu flankieren, wie das Handelsblatt berichtet. Demnach soll der pauschale Steuersatz für Dienstwagen je nach CO₂-Ausstoß auf bis zu 1,5 Prozent angehoben werden, derzeit liegt er bei einem Prozent. Der ermäßigte Steuersatz von 0,5 Prozent für Plug-in-Hybride soll künftig nur noch gelten, wenn die Fahrzeuge überwiegend elektrisch genutzt werden. Zudem fordert die SPD verbindliche Elektrifizierungsquoten für größere Firmenflotten.

Auch die Automobilindustrie hat Vorschläge unterbreitet, um den elektrischen Fahranteil bei Hybridfahrzeugen zu erhöhen. Viele Besitzer von Plug-in-Hybriden nutzen den Elektromotor nur selten. Die deutsche Automobilindustrie schlägt daher vor, das elektrische Fahren gezielt zu fördern, wie VDA-Präsidentin Hildegard Müller in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte. Künftig könnten Plug-in-Hybride so konzipiert werden, dass regelmäßiges Laden verpflichtend ist. Innerhalb einer noch festzulegenden Fahrstrecke müsste die Batterie mindestens einmal aufgeladen werden. Ignoriert der Fahrer entsprechende Warnhinweise, könne die Systemleistung automatisch reduziert werden. Im Klartext: Wer seinen Plug-in-Hybrid dauerhaft nur mit Benzin oder Diesel betreibt, müsste mit einer Drosselung der Motorleistung rechnen. Ob solche Maßnahmen nicht eher abschreckend wirken, wenn Hersteller ihren Kunden faktisch vorschreiben, welchen Antrieb sie zu nutzen haben, bleibt offen.

Ob das Aus für den Verbrennungsmotor tatsächlich oder durch die Hintertür kommt, ist weiterhin unklar. Vieles ist noch im Fluss, und die Interessenlagen sind unterschiedlich. Die EU-Kommission will bis Mitte 2026 die endgültigen Formulierungen vorlegen. Klar ist jedoch: Die Politik strebt eine weitgehende Elektrifizierung des Straßenverkehrs an und echte Technologieoffenheit gilt nur eingeschränkt. Über steigende CO₂-Abgaben und verschärfte Treibhausgasminderungsmaßnahmen werden Kraftstoffe in der EU – und besonders in Deutschland – in den kommenden Jahren teurer werden. Auch auf diesem Weg dürfte das Ende des Verbrennungsmotors weiter beschleunigt werden.