Das Handelsblatt berichtete unter dem Titel „Vom Dieseldilemma“.

Der Dieselmotor verliert in Europa zunehmend an Bedeutung. Nur noch knapp jeder zehnte Pkw, der in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 neu zugelassen wurde, war ein sogenannter Selbstzünder. Außerhalb Europas spielt der Diesel-Pkw weder in Asien noch in Amerika eine nennenswerte Rolle. In Europa werden Dieselfahrzeuge neben Deutschland noch verstärkt in Österreich, Spanien, Italien und einigen osteuropäischen Ländern nachgefragt. Im Jahr 2020 entfielen noch 27 Prozent des Absatzes auf Dieselfahrzeuge, 2025 liegt der Marktanteil in der EU unter zehn Prozent (Deutschland: 14 Prozent). Die wesentliche Ursache für diesen Rückgang ist der Dieselskandal von 2015. Wegen manipulierter Abgaswerte haben viele Kundinnen und Kunden das Vertrauen in den Selbstzünder verloren, so das Handelsblatt.

Für die deutschen Hersteller bleibt der Diesel dennoch ein wichtiges Absatzinstrument. Im Jahr 2025 lieferten Mercedes 29 Prozent, BMW 25 Prozent und Audi 24 Prozent ihrer Neufahrzeuge mit Dieselmotor aus. Audi, BMW und Mercedes zusammen stehen für 44 Prozent aller Dieselverkäufe in Europa. Rechnet man die Volkswagen-Kernmarke sowie die Konzerntochter Škoda hinzu, kommen diese fünf Hersteller auf einen Marktanteil von 74 Prozent. Dieselmotoren werden vor allem in hochpreisigen Limousinen und SUVs verbaut, da sie teurer in der Produktion und damit auch im Verkauf sind. Die Hersteller müssen mehrere Tausend Euro pro Fahrzeug in die Abgastechnik investieren, da ohne Partikelfilter und Katalysatoren kein Diesel mehr zugelassen wird. Für Kleinwagenhersteller lohnt sich dieser Aufwand nicht, da die Kundinnen und Kunden den Mehrpreis nicht akzeptieren würden.

Nach einer Erhebung des ADAC gibt es heute keinen neuen Kleinwagen mehr mit Dieselmotor – vor zehn Jahren waren es noch fast 50 Prozent. Mercedes verkauft in Europa besonders viele seiner SUV-Modelle GLB und GLE als Diesel. So liegt der Dieselanteil beim GLS bei 68 Prozent, selbst die S-Klasse kommt noch auf 45 Prozent. Bei den Mittelklassemodellen C- und E-Klasse sind es rund 40 Prozent, während bei der A-Klasse nur noch 22 Prozent der Kunden zum Diesel greifen.

Aus Vertriebssicht bietet der Diesel weiterhin viele Vorteile. Die Technik gilt als robust und wartungsarm. Derzeit verkaufen die deutschen Premiumhersteller Audi, BMW und Mercedes in Europa noch mehr Dieselfahrzeuge als reine Elektroautos. Mercedes setzte in den ersten neun Monaten 2025 in Europa 82.000 Elektrofahrzeuge ab, aber 137.000 Diesel. Die Hersteller benötigen den Diesel, um zumindest in den kommenden Jahren weiterhin Erträge mit dieser Motortechnik zu erzielen. Audi, BMW und Mercedes haben daher in die Weiterentwicklung investiert und setzen verstärkt auf sogenannte Mild-Hybrid-Antriebe, bei denen eine Batterie den Verbrennungsmotor insbesondere bei niedrigen Drehzahlen unterstützt. In bestimmten Fahrsituationen kann das Fahrzeug sogar rein elektrisch fahren. Beides trägt zur Reduzierung des CO₂-Ausstoßes bei.

Umweltschützer kritisieren Dieselfahrzeuge, da sie pro Liter Kraftstoff etwas mehr CO₂ ausstoßen als Benziner. Die Autohersteller setzen daher verstärkt auf den alternativen Dieselkraftstoff HVO, der aus pflanzlichen Ölen und tierischen Fetten hergestellt wird und die CO₂-Emissionen um bis zu 90 Prozent senken würde. BMW betankt alle in Deutschland produzierten Dieselmodelle demonstrativ mit HVO, bevor sie an die Händler ausgeliefert werden.