Das Luxemburger System ist in Europa einzigartig – es ist kein freier Tankstellenmarkt wie in Deutschland, sondern ein staatlich reguliertes Höchstpreissystem.
Das Wirtschaftsministerium legt regelmäßig landesweit gültige Höchstpreise für Benzin, Diesel und Heizöl fest. Diese Preise gelten für alle Tankstellen im Land.
Wichtig: Tankstellen dürfen unter diesem Preis verkaufen, aber niemals darüber. In der Folge gibt es kaum Preisunterschiede zwischen Tankstellen und praktisch keine Preissprünge im Tagesverlauf.
Die Anpassungen an der Zapfsäule erfolgen durch den Staat (nicht durch die Tankstellen). Die Preise werden typischerweise alle paar Wochen angepasst, bei starken Marktbewegungen auch häufiger. Grundlage sind Rohölpreise, Wechselkurs (USD/EUR) sowie Raffinerie- und Beschaffungskosten. Anders als in Deutschland reagieren nicht einzelne Tankstellen, sondern der Staat zentral.
Deshalb gibt es in Luxemburg kaum Volatilität an der Tankstelle – in Deutschland ändern sich die Preise oft mehrmals täglich. In Luxemburg gilt: Preis ist fix bis zur nächsten staatlichen Anpassung. Wettbewerb findet nur unterhalb des Höchstpreises statt. Da alle Tankstellen denselben Deckel haben, bewegt sich der Wettbewerb an den Tankstellen nur in engen Grenzen. De facto gibt es nahezu einheitliche Preise im ganzen Land bei allen Marken. Freie Tankstellen spielen deshalb in Luxemburg keine Rolle.
Die staatliche Steuerpolitik ist der zentrale Hebel für die niedrigen Preise. Neben der Preisregulierung ist entscheidend: niedrigere Energiesteuern (circa 47 Cent gegenüber circa 65 Cent in Deutschland), niedrigere Mehrwertsteuer (17 Prozent gegenüber 19 Prozent) sowie geringe THG- und CO₂-Belastungen. Deshalb ist Luxemburg rund 50 Cent günstiger als Deutschland – nicht wegen der Regulierung, sondern wegen der Steuern.
Ökonomisch gesehen hat das System auch Schattenseiten. Es herrscht geringerer Wettbewerb zwischen den Tankstellen. Luxemburg kann sich dieses Modell leisten, weil es ein kleines Land ist und durch niedrige Steuern Grenztourismus als Einnahmequelle nutzt – insbesondere aus Belgien, Frankreich und Deutschland sowie durch den Lkw-Transitverkehr. Der Staat verdient massiv an ausländischen Autofahrern. Luxemburg exportiert rund 1,5 Milliarden Liter pro Jahr über seine Tankstellen an Transitkunden, vorwiegend aus Deutschland, Frankreich und Belgien, damit diese Mineral- und Mehrwertsteuer sparen. Für Luxemburg bedeutet das Steuereinnahmen von 600 Millionen allein aus der Energiesteuer plus Mehrwertsteuer weitere 100 Millionen. Für ein Land mit 660.000 Einwohnern eine echte Cash Cow.
Seit Ausbruch des Irankrieges verlieren die Tankstellen in Eifel, Hunsrück und Saarland, die in einem Radius von 50 bis 100 Kilometer entlang der deutschen Seite zu Luxemburg liegen, rund 20 Prozent des Absatzes. Die Cash Cow wird weiter gemolken und die deutsche Politik sieht einfach zu.