Ntv ist der Frage nachgegangen, wie viele Jahre die weltweiten Erdölvorräte noch reichen.

Schon in den 1970er-Jahren warnte der Club of Rome davor, dass in wenigen Jahren das Öl ausgehen würde und die Welt somit nicht ausreichend mit Öl versorgt wäre. Auch Mitte bzw. gegen Ende des ersten Jahrzehnts des zweiten Jahrtausends gab es Spekulationen darüber, dass unsere Ölvorräte beim aktuellen Verbrauch schneller aufgebraucht sein könnten, als wir erwarteten. In der Folge stiegen die Ölpreise auf ein Rekordniveau, bevor sich die Erkenntnis durchsetzte, dass ausreichend Öl vorhanden sei. Die neu erschlossenen Fracking-Ölquellen ließen die Preise anschließend wieder fallen.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover beziffert die weltweiten Erdölreserven auf 252 Milliarden Tonnen. Bei einer Förderung von zuletzt 4,55 Milliarden Tonnen pro Jahr reicht dieser Vorrat demnach für 55,4 Jahre.

Angaben zur statistischen Reichweite sind allerdings immer nur Momentaufnahmen, so Martin Pein, Geologe und Experte für Energierohstoffe bei der BGR, gegenüber ntv. Bei den Reserven handelt es sich lediglich um die nachgewiesenen und zu heutigen Preisen sowie mit heutiger Technik wirtschaftlich förderbaren Mengen an Öl. Darüber hinaus gibt es noch weitere Ölvorkommen, die sogenannten Ressourcen, so der Experte.

Ressourcen sind im Unterschied zu den Erdölreserven bekannte und nachgewiesene Erdölvorkommen, die allerdings aktuell technisch oder wirtschaftlich nicht förderbar sind. Insgesamt werden die Erdölressourcen von der BGR auf 498 Milliarden Tonnen beziffert und sind damit etwa doppelt so groß wie die aktuellen Reserven.

Somit würden die Erdölreserven inklusive der Ressourcen beim aktuellen Verbrauch für mehr als einhundert Jahre reichen. Auch kann ein steigender Ölpreis die Erschließung bestimmter Erdölvorkommen plötzlich rentabel machen. Dies trug unter anderem zum starken Ausbau der Förderung kanadischer Ölsande sowie zur Erschließung von in Schiefergestein eingeschlossenem Öl und Gas bei.

Auf der anderen Seite sinkt der weltweite Ölverbrauch in Europa, während er in China stagniert und in den USA nur noch geringfügig wächst. Somit gilt es, nicht nur die Angebotsseite, sondern auch die Nachfrageseite zu betrachten. Einige Agenturen gehen davon aus, dass der aktuelle Ölverbrauch von rund 105 Millionen Barrel pro Tag zunächst weiter steigt und ab einem gewissen Punkt wieder in Richtung 100 Millionen Barrel sinkt. Dies sind allerdings lediglich Szenarien und keine definitiven Prognosen.

Eine weitere kritische Komponente sind die weltweiten Raffineriekapazitäten. Es reicht nicht aus, genügend Rohöl zu haben. Genauso wichtig ist es, aus dem Rohöl Produkte wie Diesel, Benzin, Kerosin und Schmierstoffe in den benötigten Mengen zu erzeugen.

Gerade in den vergangenen 20 Jahren war häufig zu beobachten, dass es bei den Raffinerien zu Engpässen kam und die Preise für Fertigprodukte dadurch deutlich stärker stiegen als der Rohölpreis. Andererseits gab es auch immer wieder Phasen, in denen die Raffinerien eine so geringe Auslastung hatten, dass sie Verluste produzierten, weil das Angebot an Fertigprodukten die Nachfrage überstieg. Gerade die Raffinerien sind für die Mineralölkonzerne – neben der Rohölerschließung und der Rohölproduktion – ein immenser Kostenfaktor.

Wahrscheinlich wird die Menschheit keine einhundert Jahre mehr Öl benötigen – zumindest nicht in dem heutigen Umfang. Damit bleibt die Aussage des langjährigen Ölministers von Saudi-Arabien, Scheich Ahmed Zaki Yamani, aktuell. Ihm wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Die Steinzeit hat nicht geendet, weil die Steine ausgingen. Und das Ölzeitalter wird enden, bevor das Öl ausgeht.“